Definition: CRaP steht für „Can’t Realize a Profit“ und bezeichnet Produkte im Amazon-Vendor-Programm (1P), bei denen Amazon nach allen internen Kosten keinen Gewinn erzielt. Ein CRaP-Listing ist für Amazon ein Verlustgeschäft – der Verkaufspreis deckt Einkauf, Versand, Lagerung, Retouren und Kundenservice nicht ausreichend ab. Betroffene Produkte werden von Amazon intern markiert und können in der Folge ausgelistet, nicht mehr nachbestellt oder im Preis angehoben werden.
🔍Deep Dive
Amazon bewertet jeden Artikel im Vendor-Sortiment anhand der Contribution Margin – also dem, was nach allen Kosten wirklich übrig bleibt. Sobald diese Zahl dauerhaft negativ ist, gilt das Produkt intern als CRaP. Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern schleicht sich ein: durch steigende Versandkosten, Preisdruck im Markt, sinkende Vendor-Konditionen oder eine ungünstige Produktstruktur.
Typische Auslöser für ein CRaP-Listing sind:
- Niedriger Verkaufspreis bei gleichzeitig hohem Einkaufspreis – die Marge reicht nicht für Amazons Betriebskosten
- Sperrige oder schwere Produkte mit überdurchschnittlichen Versand- und Lagerkosten
- Hohe Retourenquote – jede Rücksendung kostet Amazon Geld für Abwicklung, Prüfung und ggf. Entsorgung
- Ineffiziente Verpackung – zu groß für den Inhalt, erhöht das Versandvolumen und damit die Kosten
- Preisbindung oder MAP-Vorgaben des Vendors, die Amazon daran hindern, den Preis anzupassen
Was Amazon mit CRaP-Listings macht, variiert. In vielen Fällen stellt Amazon die Bestellungen einfach ein – das Produkt bleibt gelistet, wird aber nicht mehr nachgekauft und läuft aus. In anderen Fällen hebt Amazon den Verkaufspreis eigenständig an, um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Das kann die Buy Box gefährden, wenn Drittanbieter günstiger verkaufen. Selten, aber möglich: Amazon fordert den Vendor aktiv auf, die Konditionen nachzubessern oder das Produkt aus dem Sortiment zu nehmen.
Für Vendoren ist das Problem oft die fehlende Transparenz. In Vendor Central gibt es keine Spalte mit der Aufschrift „CRaP“. Die Kennzeichnung ist intern und wird höchstens indirekt sichtbar – durch ausbleibende Purchase Orders, Hinweise vom Vendor Manager oder einen plötzlichen Preisanstieg auf der Produktseite.
💡VALUEZON Tipp
Wenn Bestellungen für ein Produkt plötzlich ausbleiben oder dein Vendor Manager das Thema Konditionen auf einzelne ASINs lenkt, prüf zuerst die Kostenstruktur aus Amazons Sicht – nicht nur deine eigene Marge. Gewicht, Abmessungen, Verpackungseffizienz und Retourenquote sind die vier Stellschrauben, die du als Vendor direkt beeinflussen kannst. Eine Verpackungsoptimierung oder die Umstellung auf kartongerechte Maße kann ausreichen, um ein Produkt aus der CRaP-Zone zu holen. Warte nicht darauf, dass Amazon den ersten Schritt macht – bis dahin hast du meist schon mehrere Monate Umsatz verloren.